Stefan May bei einer Patrouille in der Westsahara | cc Stefan May


Ich habe ihn also geerbt, den Blog zu unserer Serie über das Wüstengebiet Westsahara. Aufwändig von meiner Kollegin Johanna Herzing vorbereitet und dokumentiert – diese Woche berichten wir jeden Tag über Westsahara, unter anderem in Tagebuchform aus Sicht des UN-Blauhelmsoldaten Stefan May.

Als gebürtige Iranerin ist mir das Wort Sahara vertraut, nicht etwa weil ich in der Wüste aufgewachsen bin, sondern weil das Wort Sahara auf Farsi (gesprochen Sahra) schlicht Wüste bedeutet. Dazu kommt, dass ich als Kind “Tochter der Wüste” (auf Farsi: Dochtare Sahra) genannt wurde, was wiederum mit einem bekannten, persischen Lied über meinen Vornamen Nilofar zusammenhängt.

Nilofar bedeutet eigentlich Seerose – frage mich nicht, was sich der Sänger dabei gedacht hat, eine Frau Namens Seerose “Tochter der Wüste” zu nennen. Jedenfalls läuft der Refrain: “Oh du Tochter der Wüste, Nilofar, Oh du schönes Mädchen, Nilofar”.

Ganz unabhängig vom dem Spitznamen “Wüstenmädchen” trage ich seit immer eine Faszination für die Wüste in mir. Viel mehr als das Meer, beeindrucken mich vergängliche Sanddünen, die jede Nacht vom Wind neu formiert werden und eine Orientierung nahezu unmöglich machen.

Mich spricht die ständige Wandlung der Wüste an, die krassen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die optischen Täuschungen, die so eine Landschaft bietet. Am meisten aber beeindrucken mich die Menschen, die in Wüstengebieten leben.

Was habt ihr, Liebe Hörer, für Erfahrungen mit Wüsten gemacht?  Gibt es etwas, was ihr über die Westsahara wisst, was euch in unserer Berichterstattung fehlt?

Heute könnt ihr erfahren, warum die Menschen in der Westsahara mit einem Minenproblem zu kämpfen haben.

Eure Nilofar

Update 25.08.2010: Heute erzählt der Algerier Muhammad Arif, der seit vielen Jahren für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, arbeitet, über das Leben der sahrauischen Flüchtlinge in der Westsahara.

Seit 35 Jahren leben die Menschen dort in Flüchtlingscamps und warten auf ein Ende des Konflikts. Was das größte Problem dort sei? Das Klima, antwortet Arif, das harte Klima sei eine der größten Einschränkungen für die Sahrauis.

Update 26.08.2010: Während der UN-Blauhelmsoldat Stefan May in unserem Programm täglich über seine Beobachtungen in der Westsahara berichtet, beschäftigt unsere Redaktion die Frage nach der Qualität seiner Aufnahmen.

In der Konferenz wird besorgt diskutiert, ob es unseren Hörern etwas merkwürdig scheinen mag, dass ein in der Wüste stationierter UN-Mitarbeiter so saubere, gut verständliche Aufnahmen liefert, frei von jeglichen Sandsturm- und Kamel-Geräuschen.

Dabei gibt es keinen Hokuspokus. Stefan May hat sich eine ruhige Ecke in der Westsahara ausgesucht, sein Aufnahmegerät ist ein gutes, und schon hat das Ganze fast Studioqualität. Ob es nicht authentischer wäre, May würde wenigstens ein paar Originaltöne seiner Umgebung mitschicken?

Kurzes Nachdenken und schon kommt die Frage auf: Wer schreibt (in diesem Fall spricht) schon Tagebuch draußen im Sandsturm, beim Kamele-Zählen oder beim Abendessen in der gemeinsamen Blauhelm-Kantine?

Grüße,

Nilofar